VÖ: 21.04.2006
Bewertung: Meisterwerk
Label/Vertrieb: Dockyard 1/Soulfood
EAN Code: 4 260085 6202
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CD
Waltari: Blood Sample (Crossover)
Der Schrecken aller Kategorisierungsfetischisten ist zurück. Unter dem Namen Waltari wird seit schlappen 20 Jährchen alles durcheinander geworfen, was eigentlich nicht durcheinandergeworden geworden darf. Munkelt man zumindest. Denn statt künstlicher Zuchtformen entstehen natürliche Kreuzungen. Von wegen, das darf nicht durcheinander geworfen werden. Ha, da lachen die Finnen, und jeder stimmt lauthals ein, der nach "Blood Sample" ein "Gott sei Dank!" hervorstößt.
Erleichterung macht sich breit, Waltari haben nichts verlernt. Gegenüber "Rare Species" legen Kärtsy Hatakka, Jariot Lehtinen, Sami Yli-Sirniö (Metallern auch als Mitglied von Kreator ein Begriff) und Ville Vehviläinen gar noch einen drauf. Ungefähr 60 Sekunden brauchte es, um die Namen der Mitglieder fehlerfrei abzutippen, ebenso viele, um im Universum von Waltari den Boden unter den Füßen zu verlieren. "Helsinki", der Opener, ist ein Mosaik, schwebend in der Schwerelosigkeit, irgendwo zwischen ... halt, nein, das wäre unfair. Diesen Track zu beschreiben, würde mehrere Zeilen in Anspruch nehmen, die restlichen sechzehn Titel haben ebenso einen Anspruch darauf. Dann also die Kurzfassung von "Blood Sample": Rock und Pop natürlich, Grindcore, Metal sowieso, Gothic liegt in Finnland nahe, Punk, Techno, HipHop, Klingeltöne, Gekratze auf Tellern, alles dabei. Bei solch einer Soße, deren Frischegarantie unübertroffen ist, bekommen es Waltari tatsächlich noch hin, die Hitanwärter Schlange stehen zu lassen. Das geradlinige, dunkel-finnische "Not Enough" auf jeden Fall. "I m In Pain" auch, das ist moderner Metal, wie ihn die Stadienfüller dieser Welt nicht besser bringen könnten. "All Roads Will Lead To Rome" reiht sich ebenfalls ein, das erste Mal seit Jahren, dass unser Wohnzimmerinventar leiden musste. Der zahme Alternative-Schmeichler "Shades To Grace", das abenteuerliche "Pigeons"und so viele andere. 79 Minuten dauert "Blood Sample", und außer denen, die "Digging Inside" etwas langatmig geraten lassen, ist keine von ihnen Schmu.
Natürlich, Waltari haben den Schalk im Nacken, strengen anfangs etwas an, und sind dem ein oder anderen aufgrund ihrer ständigen Slalomtechnik suspekt. Doch sie veräppeln die Stilrichtungen nicht. Sie nehmen sie durchaus ernst, nur hat keine von ihnen die Weisheit gepachtet. Bestes Beispiel: Welche Band darf eine balladeske Beatles-Nummer mit elektronischen Beats unterlegen, ohne dass sie dafür in der Luft zerrissen würde? Genau, Waltari. "Julia" setzt eine liebenswürdige Spezialität des Hauses fort - man denke an "Vogue" und "Help!" - und bildet damit den Abschluss eines buchstäblich unfassbaren Albums.
content: teleschau - der mediendienst
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