(Arthaus)"Heimat 1" (fünf DVDs) erzählt die berührende Geschichte der Familie Simon im Hunsrückdorf Schabbach.
(Arthaus)Mit der "Zweiten Heimat" (sieben DVDs) knüpfte Edgar Reitz an seine erfolgreiche, hoch gelobte Schabbacher Familien-Chronik an.
(Arthaus)Edgar Reitz rückt mit "Heimat 3" (drei DVDs) das Jahrzehnt der politischen Wende in den Mittelpunkt.
(Arthaus)Uwe Steimle spielt eine der Hauptrollen in "Heimat 3"
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DVD Story
Das Lebenswerk von Edgar Reitz nun auf DVD
Nichts als Heimat
(tsch) Es ist ein Mammutprojekt gewesen, von vornherein. Niemanden hätte es gewundert, wenn Edgar Reitz grandios gescheitert wäre mit seinem Versuch, die Geschichte Deutschlands im vergangenen Jahrhundert auf ein TV-kompatibles Format zu brechen und in 50 Stunden Fernsehunterhaltung zu pressen. Doch weit gefehlt, von Scheitern kann, zumindest in den ersten beiden Staffeln des Spielfilm-Marathons keine Rede sein, Reitz' Magnus Opus wurde mit Preisen überhäuft, erhielt unter anderem einen Goldene Löwen in Venedig und den renommierten Adolf-Grimme-Preis. Nun erscheinen alle drei Staffel der "Heimat" auf DVD.
Begonnen hat die unglaubliche Geschichte mit einer elfteiligen Fernsehfassungen, die im Herbst 1984 in der ARD lief. Im Schnitt sahen mehr als zehn Millionen die Zuschauer die einfühlsame porträtierte Geschichte des kleinen Hunsrück-Dorfes Schabbach, die als Spiegel der deutschen Geschichte zwischen 1919 und 1982 diente. Die hohen Zuschauerzahlen kommen nicht von ungefähr: Reitz, der als Kinoregisseur ("Der Schneider von Ulm") gescheitert war, gelang es im TV-Format die Chronik eines Jahrhunderts geschickt zu dramatisieren und die Erzählstruktur des Fernsehens zu nutzen. Einen derartigen Straßenfeger hatte es im deutschen Fernsehen seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben.
Im Mittelpunkt des ersten Teils der Heimat-Trilogie steht Maria (Marita Breuer), die Tochter des Bürgermeisters. Maria, die kurz nach dem Ersten Weltkrieg den heimkehrenden Soldaten Paul Simon heiratete, ist vom Schicksal eng an die bewegende Geschichte Deutschlands gebunden, muss sich doch immer wieder mit neuen politischen und gesellschaftlichen Konstellationen in ihrem kleinen Dorf auseinander setzen. Die Saga begleitet sie durch die politisch verwirrenden Zeiten vom Ende des Ersten Weltkrieges, über die Weimarer Republik und den nachfolgenden Nationalsozialismus bis in die Bundesrepublik.
Auch mit "Die zweite Heimat - Chronik einer Jugend", dem zweiten Teil der Saga, der 1990 und 1991 abgedreht wurde, setzte Reitz seinen künstlerischen Erfolg fort. Dem jungen Hermann Simon (Henry Arnold), von allen nur "Hermännchen" genannt, war die Hunsrück-Provinz in Schabbach zu eng geworden. Er zieht Anfang der 60er-Jahre nach München, um sich dort vom Mief des Hinterlands zu befreien und die Aufbruchsstimmung, die die BRD erfasste, zu genießen. Ehrgeizig und zielstrebig studiert und arbeitet Hermann, bis aus ihm ein erfolgreicher Musiker und Komponist geworden ist.
Reitz begnügt sich im zweiten, weitaus opulenteren Teil seiner Saga, mit der Schilderung eines einzigen Jahrzehnts. Diese Konzentration erlaubte es ihm, die Story weitaus genauer und intimer zu erzählen. Allerdings interessierten sich bei der Fernsehausstrahlung im April 1993 weitaus weniger Zuschauer für die Geschichte des bis dato bewegendsten Jahrzehnts der deutschen Nachkriegsgeschichte. Lediglich eine Million Zuschauer wollten die Lehrjahre von Marias Sohn Hermann im München der 60-er sehen.
Dieser Misserfolg führte beinahe dazu, dass die dritte Staffel nicht mehr gedreht wurde. Doch bereits 1994 befasste sich Reitz wieder mit seinem Lebensprojekt. Um seine Chronik des deutschen Jahrhunderts zu vervollständigen, konnten die Ereignisse der 90er-Jahre, die Wiedervereinigung, das neue Gesamtdeutschland und der hastige gesellschaftliche Wandel hin zu Mobilität, Wirtschaftsglobalisierung und neuen Kommunikationsformen nicht vernachlässigt werden. Wieder konzentriert sich Reitz auf ein einziges Jahrzehnt, erzählt in sechs Fernsehfilmen vom glücklichsten Volk der Welt, von den hochfliegenden Träumen der Deutschen Anfang der 90er-Jahre und der schnell einsetzenden Ernüchterung.
Im Mittelpunkt steht diesmal wieder das Hunsrückdorf Schabbach, wo sich verschiedene Schicksale aus Ost und West kreuzen. Hermann Simon ist inzwischen ein arrivierter und erfolgreicher Musiker, zusammen mit seiner Jugendliebe Clarissa (Salome Kammer) kauft er ein verfallenes Fachwerkhaus, in dem einst die Dichterin Karoline von Günderode gewohnt hat. Aufgebaut wird die Ruine von sächsischen Arbeitern, die noch im Herbst 1989, kurz nach dem Mauerfall, von Clarissa angeheuert werden. Reitz thematisiert in der letzten Staffel seiner Trilogie oftmals mit fehlender Distanz und zu vielen Klischees erliegend den Wiedervereinigungstaumel, Fußballweltmeisterschaft, den Rückzug der US-Army, Kunstraub in Osteuropa und westeuropäische Zivilisationskrankheiten, die zu persönlichen Schicksalsschlägen werden. Dem sechsteiligen Abschluss der Serie mangelt es an detailgetreuer Leidenschaft und an der Lust am Fabulieren. Reitz hebt sich zwar immer noch wohltuend vom Geschichtsumgang eines Guido Knopp ab, die Maßstäbe, die er mit seinen ersten beiden Chronik-Teilen gesetzt hat, erfüllt er mit der Zeitenwende aber nicht mehr.
Während die letzten Teile der Chronik noch über die ARD-Bildschirme laufen, gibt es das mehr als 50-stündige Gesamtwerk bereits als DVD-Edition. Auf 15 DVDs veröffentlicht das Leipziger Arthaus-Label das komplette Werk erstmals ungekürzt. In Bild und Ton bieten die Scheiben durchaus akzeptable Qualität, jeweils auf der Höhe der Produktionszeit, allerdings ist die Ausstattung mehr als spartanisch. Untertitel sind bei solch einem monumentalen und international erfolgreichen Opus einfach Pflicht, und das Fehlen jeglicher Extras ist eigentlich unverzeihlich. Edgar Reitz hätte sicherlich einiges zu seinem Lebenswerk zu sagen gehabt. Zumal die Preise dirch recht satt sind: Die erste Staffel kostet rund 90 Euro, die zweite 150 Euro, die dritte 50 Euro
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