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Die Chance, an der Ewigkeit teilzuhaben A-ha veröffentlichen "Analogue" videothek.us

(Universal)Mit "Analogue" legen A-ha eine der schönsten Pop-Platten des Jahres vor.


(Universal)Die können das: A-ha haben mit ihrer Version klassischer Popmusik Bands wie Coldplay maßgeblich beeinflusst.


(Universal)Zugang trifft Dramatik: A-ha bleiben auf "Analgoue" alten Grundwerten treu.


(Universal)Das Credo von A-ha: Niemand ist einmalig. "Egomanen in der Popmusik sind dumm."

Musikfeature
A-ha veröffentlichen "Analogue"
Die Chance, an der Ewigkeit teilzuhaben

(tsch) Schön, dass A-ha wieder da sind. Die Alben "Minor Earth, Major Sky" und "Lifelines" begründeten das beachtliche Comeback, das den norwegischen Pop-Helden nur die wenigsten zugetraut hatten. Den tollen Alben folgte eine ebenso erstaunliche Tour durch prallvolle Hallen und Stadien, von Oslo bis Buenos Aires. Jetzt wollen Morten Harket, Magne Furuholmen und Paul Waaktaar-Savoy mit "Analogue" endgültig zeigen, warum die Popwelt sie heute noch braucht.

teleschau: Ihr habt gerade Euer neues Video zu "Celice" in einem alten Berliner Bordell gedreht. Werden aus den Saubermännern A-ha jetzt frivole Rock n Roller?

Magne Furuholmen: Wohl Kaum. Das ist das erste Mal, dass ich in so einem Club war. Jedenfalls um sechs Uhr morgens ...(lacht)

teleschau: Sonst also eher später?

Furuholmen: (lacht) Lassen wir das einfach mal so stehen. Um ehrlich zu sein. Das ist nicht mein Lieblingsort, um abzuhängen. Und erst Recht kein appetitlicher Ort für ein Frühstück vor dem Videodreh! Aber Videodrehs sind immer irgendwie toll. Ich arbeite nebenbei als Maler und Bildhauer, deswegen interessiert mich eben auch der visuelle Aspekt. Ich liebe visuelle Medien, weil sie die Fantasie anregen und bestimmte Atmosphären und Geschichten der Songs unterstützen.

teleschau: Apropos Unterstützung: Ihr habt kürzlich beim Live 8 in Berlin gespielt. Habt ihr seitdem etwas von Bob Geldof und den Veranstaltern gehört?

Furuholmen: Ich denke, nachdem die kreativen Köpfe hinter dem Spektakel diesen unglaublichen Kraftakt gestemmt haben, diesen Mega-Event zu organisieren, sind jetzt vermutlich alle erstmal platt. Die Erfolg, die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, um Druck auf die Politiker auszuüben, wurde leider nur von den tragischen Terroranschlägen in London überschattet. Das hat es den Organisatoren leider unmöglich gemacht, in positiver Weise den Erfolg der Veranstaltung auszukosten und zu publizieren.

teleschau: Die andere Enttäuschung ist, dass die US-Regierung den Schuldenerlass mehr oder weniger blockiert.

Morton Harket: Was bleibt, ist der symbolische Wert, der hinter diesem Ereignis, hinter diesem Tag steht. Und wer weiß: Vielleicht hat eines der Konzerte ein Kind im Publikum inspiriert, das eines Tages mal ein mächtiger Politiker sein wird. Du weißt nie, was für einen Effekt das in 30 Jahren haben kann. Wichtig ist, dass überhaupt etwas getan wird.

teleschau: Was bleibt, ist diese Ungewissheit. Wie ja auch bei Künstlern und ihrem neuen Album. Niemand weiß, ob es durchfällt oder geliebt wird ...

Furuholmen: Genau. Als Künstler bleibt dir nur die Hoffnung. Und dann heißt es abwarten.

teleschau: Das gilt auch für Euer neues Album "Analogue". Soll der Titel tatsächlich für die Art der Aufnahmetechnik stehen? Das wäre zu einfach oder?

Furuholmen: Es gibt natürlich schon den Bezug, denn als wir anfingen Musik zu machen, war das die Zeit der analogen Synthesizer-Revolution. Es ist also ein Bezug zu unseren Wurzeln. Und eine Referenz an die Zeit, die inzwischen vergangen ist. Ansonsten wollten wir natürlich einen Titel, der wie immer kurz, knapp und catchy ist.

teleschau: Was ist denn neu aus Eurer Sicht, im Vergleich zu "Lifelines"? Geblieben ist auf alle Fälle Euer Hang zu großen Gesten und zur Melodramatik.

Furuholmen: Das kommt natürlich durch Mortens Gesang, ganz klar. Wenn er seine Stimme, seinen Stil und seine Posen einbringt, wird das Material auf einmal wesentlich zugänglicher - aber auch dramatischer. Das ist schon komisch. Ich habe zuletzt viele Songs geschrieben, auch für mein Soloalbum. Aber in dem Moment, wenn Morten singt, verändern sich immer Stimmung und Atmosphäre eines Songs. Sie werden weniger zerbrechlich, weniger schmerzvoll - obwohl wir das alle mögen - sie werden ein anderes Statement. Sein Charakter hat viel damit zu tun. Und gerade die Fans achten sehr auf die Subtexte eines Songs und lesen zwischen den Zeilen.

teleschau: Was entdecken wir denn zwischen den Zeilen auf diesem Album? Worum geht es inhaltlich?

Harket: Ich habe in den letzten Jahren verstärkt an meiner Qualität als Autor gearbeitet. Früher habe ich mich immer auf die Musik und das Image konzentriert. Diesmal standen die Texte buchstäblich im Mittelpunkt der Platte. Zu einem großen Teil drehen sich unsere Songs heute darum, mit dem Leben umzugehen, wie man bestimmten Situationen begegnet und sie meistert. Wie wir mit bestimmten Themen umgehen. Einige Songs sind sogar relativ düster, andere sind sehr hoffnungsvoll. Wir haben keine Angst mehr, auch persönliche Erlebnisse als Basis für einen Song zu nehmen. Denn nur so kann ein Song auch eine Relevanz für die Menschen da draußen haben.

teleschau: Zum Beispiel?

Harket: Ein Song wie "Celice" - ich habe meine "Celice" tatsächlich getroffen. Eine Frau, die mich in vieler Hinsicht gefordert hat, so tiefgehend, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Bis es weh tut. Deswegen ist "Celice" auf der anderen Seite aber auch ein Sinnbild für Folter, fast im Sinne der katholischen Kirche der Selbstgeißelung, um zu einer inneren Reinheit zu erlangen. Im Grunde ist es ein Liebeslied der Selbstgeißelung, was uns wieder zu Themen wie Gemeinsamkeit, Nähe und Einsamkeit führt und wie man damit umgeht.

teleschau: Gerade heute sind immer mehr Menschen Single, sind permanent auf der Suche und leiden unter Einsamkeit.

Furuholmen: Und jeder ist heutzutage ein verdammter Therapeut. Es gibt Fitness-Gurus, Gesundheits-Apostel, jeder hat eine Kur für alles, jeder hat ein Heilmittel gegen irgendwas. Es gibt alternative Medizin, und jeder weiß eine Antwort auf irgendwas - wie man gesund, reich und glücklich wird. Komischerweise werden mehr und mehr Leute unglücklich, statt zufriedener.

teleschau: Wenn man einige Eurer Songs hört, dann ist das schon ein ziemlich sentimentales Klagen auf hohem Niveau. Die Klavier-Ballade "Cozy Prison" könnte auch problemlos jedem Coldplay-Fan gefallen.

Furuholmen: Das ist ein großes Kompliment, denn Chris Martin schreibt großartige Songs. Coldplay machen Musik, die ich mir gerne anhöre. Andererseits funktioniert das auch. Denn Chris hat oft genug betont, dass A-ha ein großer Einfluss für ihn waren.

teleschau: Pop beruht auf gegenseitigen Einflüssen.

Furuholmen: Was ist falsch daran? Die heutige Musikwelt dagegen hat zu viele Egomanen, die fest daran glauben, einmalig und unverkennbar zu sein. Das ist eine unglaublich dumme Einstellung.

teleschau: Kann Musik überhaupt noch neu sein, wo schon jede Akkordfolge schon tausendmal bemüht wurde?

Furuholmen: Sicher nicht. Wir leben in einem klar erforschten musikalischen Universum, wo bereits jedes Detail zig-mal klar definiert wurde. Ich denke, Selbstverständnis und Anspruch auf Originalität sind heute eher ein Problem und ein Hinderungsgrund. Nimm Literatur: Ich lese heute nur noch Bücher, bei denen mich der Sprachstil fasziniert. Denn all die guten Geschichten habe ich schon vor Jahren gelesen. Wenn du Dostojewskis "Der Idiot" kennst, hast du die ultimative Liebesgeschichte schon hinter dir.

teleschau: Und deswegen haben die Popmusik und A-ha bis heute ihre Relevanz ...

Furuholmen: Sicher, und nur deswegen. Denn wenn du älter wirst, bemerkst du die Referenzen der Musiker. Wenn du ein Fan der Beatles warst, hasst oder liebst du heute Oasis. Wenn du in den 80-ern A-ha erlebt hast, siehst du heute eine Band wie Coldplay ganz anders. Ein bisschen der Musik überdauert Jahrzehnte und reist in die Zukunft. Wir alle haben die Chance, etwas für die Ewigkeit beizutragen.

content: teleschau - der mediendienst

Links:
Hörprobe - Analogue
Hörprobe - Cosy Prisons
Hörprobe - Celice
Bandseite


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für Heute,
den 03.09.2010

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