(Domino)Sind auf dem Boden geblieben: die Jungs von Arctic Monkeys.
(Domino)Die Arctic Monkeys haben viele Fans - unter anderem stehen Jarvis Cocker, die Gallaghers und die Sugababes auf die Rocker.
(Domino)Ein wunderschöner Albtraum: Das zweite Album "My Favourite Worst Nightmare" von den Arctic Monkeys ist nun erschienen.
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Musikfeature
Die Arctic Monkeys fangen mit ihrem zweiten Album erst richtig an, durch die Decke zu gehen
Die Entdecker des Rock n Rolls
(tsch) Nach dem erfolgreichsten Debüt, seit in Großbritannien Pfundnoten gezählt werden und schließlich der Auszeichnung mit allen Trophäen, die die Insel zu bieten hat, wurde eine Maschinerie in Gang gesetzt, die mit der Veröffentlichung des zweiten Arctic-Monkeys-Albums "My Favourite Worst Nightmare" kein Ende finden wird. Dass die Band aus Sheffield weiter durch die Decke geht, kratzt Drummer Matt Helders und Bassist Nick O Malley beim Interview augenscheinlich nicht.
Noch liegen auf dem Tisch nur ein paar Streichhölzer, das einzig greifbare Spielzeug für die Zeit, in der das Leben nicht inmitten hunderttausender verkaufter Alben stattfindet, auch nicht in einer Horde tobender Fans. Bei Sänger Alex Turner, Gitarrist Jamie Cook, Drummer Matt Helders und Neubassist Nick O Malley kommt Langeweile vor Glamour. Schon letztes Jahr auf ihrer England-Tour dachten sie jeden zweiten Tag: "Wir könnten mal dies oder das tun" - machten es aber nie. Letztlich freuten sie sich dann über eine Tischtennisplatte als ständigen Begleiter und neuen Freund. Im Knast könnte es nicht schöner sein.
Und wenn dann schon mal, wie im März in Berlin, was geht in Bezug auf Rock n Roll-Lifestyle, ist der nächste Tag hart. "Wir hatten gestern Deutschland-Premiere zum Nachfolger von Whatever People Say I Am That s What I Am Not - vor mehr als 1.000 Leuten. Danach ging es in den Privatclub in Kreuzberg, the place to be", erklärt Monkeys-Drummer Helders und betont die letzten vier Worte, als müsste er diese Woche noch einen Staubsauger verkaufen, um dann "Fünf Uhr ..." zu gähnen. Kaum Schlaf und nun auch noch Fragen beantworten. Dabei hatten sie sich alle so gefreut, aus der Schule raus zu sein.
Für Neu-Bassist Nick O Malley ist der Arctic-Monkeys-Job das Beste, was ihm passieren konnte: "Meine Zukunft habe ich mir nämlich gar nicht vorgestellt. Ich hatte keine Idee, mir nur grob überlegt, etwas mit Film zu machen. Musik war immer mein Hobby - bis vor neun Monaten." Und was gibt es jetzt noch als Hobby? "Fußball schauen", sagt Nick - und Matt: "Keines mehr." Dass er gerade im kleinen Stil eine Modekollektion entworfen hat, die es ab Mai zu kaufen gibt, gehört für ihn scheinbar zum hart umkämpften Business dazu, das zudem ihren ersten Bassisten verschlissen hat. Auf die Frage, wie lange sie Andy Nicholson vermisst haben, kommt nur: "Wir sehen ihn ja noch, hängen mit ihm rum." Und warum ist er gegangen? Helders: "Ich weiß es nicht genau." Hat die Band zu viel Zeit beansprucht? "Nein, das war nicht der Grund. Es kommt auf die Persönlichkeit an. Nicht jeder kann das machen, was wir tun. Es war anfangs schon komisch, als er weg war."
Dann schwärmt er übergangslos davon, wie wenig Anstrengung das neue Album brauchte. "Favourite Worst Nightmare" beherrscht den Rundumschwung einer Schiffschaukel. Es peitscht und hält inne, peitscht und hält inne, hat zwei Spannungsbögen; wenn es zu Ende ist, möchte man es sofort wieder hören. "Wir haben uns viele Gedanken über die Reihenfolge der Songs gemacht", nickt Helders. "Wegen der Dynamik." Doch so richtig sicher sollte sich niemand sein, ob das stimmt. Vielleicht war es auch Produzent James Ford, der Mann, dem sie zur Stunde vertrauen.
Glauben schenkten Matt Helders auch einige Journalisten, als er erzählte, der Bandname stamme von der alten Musikkapelle seines Vaters. Diese reizende Geschichte war jedoch nur "eine Lüge für ein bisschen mehr Glanz", gibt Helders zu und schaut einen Moment, als wüsste er nicht, ob nun eine Ohrfeige oder große Belustigung folgt. "Wir wurden so oft nach der Entstehung unseres Namens gefragt, da haben wir uns Geschichten ausgedacht, wie diese. War alles gelogen, mein Daddy ist noch nicht mal Musiker, arbeitet in einer Manufaktur, die Baseballkappen vertickt."
"Wir sind einfach immer noch ziemlich harmlos, abgesehen von dieser Geschichte. Ehrlich, ich sehe keine große Veränderung, es ist nicht mal besonders anstrengend, am Boden zu bleiben. Aber ich könnte ja mal einen Bankraub machen, nur um der Erfahrung willen. Das Geld würde ich verschenken." Robin Matt Helders Hood wird allerdings skeptisch, wenn es ums Brennen von CDs geht: "Wie man dazu steht, wenn man plötzlich auf der anderen Seite sitzt?" Er windet sich kurz, dann fällt ihm ein: "Unser Album hat keinen Kopierschutz. Ach, es ruiniert uns nicht, wenn es gebrannt wird." Nick findet: "Das geht in Ordnung. Wer hat denn als Schüler oder Student schon Geld? Aber wer reich ist und es trotzdem macht, dem wünsch ich die Pest an den Hals. Der soll zur Hölle fahren." Sie zündeln ein wenig mit den Streichhölzern, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.
Analog zu Bastian Schweinsteiger, der Toreschießen besser findet als Sex, zogen die Arctic Monkeys die Parallele zu einer Single auf Platz 1 zum selben Thema. "Das hat Andy gesagt, damit habe ich nichts zu tun", strahlt Matt. "Ich habe lieber Sex." "Und ich möchte lieber ganz oben in den Sex-Charts sein", ereifert sich Nick, bevor beide in Schulhofgelächter ausbrechen und noch kurz darüber giggeln, dass der letzte Song des Albums, "505", die Nummer eines Hotelzimmers war. Die Zeiten, in denen Mädchen ohne Schuluniform - in Zivilkleidung - die Jungs aus der Ruhe brachten, sind vorbei. Mittlerweile reicht die Fanmeile von Jarvis Cocker über die Gallaghers bis zu den Sugababes. Mit Freundschaften kann Helders aber nicht dienen. "Wir sehen keinen von denen öfter. Sie sind nett." Das ist ein dehnbarer Begriff. Hat es vielleicht mit dem Alter zu tun, dass es keinen näheren Kontakt zu anderen Musikern gibt? Matt: "Na ja, wir leben nicht in London. Noch nicht."
Über das ernste "The Only Ones Who Know" zu reden, bringt dann doch nichts. Da müsste Alex Turner ran. Was die Band zu sagen hat, tut sie über ihre Songtexte. Da sind brillante Zeilen dabei, manche bestechend einfach, andere wahrhaft durchdacht. "Jaja, die Wortspiele sind schon Alex Ding. Wir füllen auf", sagt Helders und weiß nicht recht, ob er nun stolz sein soll oder nicht.
Der in britischen Hauptstadt eingespielte "Albtraum" ist manchmal brachial, oft unangepasst, immer melodisch. Die klaren, wenn auch verzerrten Lyrics und der spannungsreiche Songaufbau ergeben zusammen mit sensiblen Zäsuren ein rundes Bild. O Malley hat sich nach nur neun Monaten perfekt integriert, bekommt nun aber kurz Ärger mit dem "Originaldrummer", wie sich Helders gerne zwischendurch nennt. Eifersüchtig betrachtet er die Tacos seines Kumpels, die die Bedienung bringt. Da kann der talentierte Drummer, der noch nicht mal fünf Jahre hinter dem Drumkit sitzt ("Und das erste Jahr konnte ich kaum üben, da das Ding in Alex Garage stand"), nicht glauben, dass er den viel hässlicheren Burger essen muss. So sieht es aus, das Rockstar-Leben.
Immerhin auf der Bühne sind sie "entspannter - und lauter geworden". Der Rest? Kommt noch. Für den Moment reicht ein Album, das mit "Brianstorm" als Vorabauskopplung zeigt, dass da vier Jungs variabler wurden, ihr Ding durchziehen. Steht man vor einem Gemälde, fragt man auch nicht, ob der Typ, der die Farbe verkauft hat, okay ist. Gut sein lassen und genießen: Ein Bild ist manchmal einfach nur schön und ein Album wie "Favourite Worst Nightmare" von den Arctic Monkeys einfach nur gut.
Die Zeit, da sie ihren Humor kanalisieren und mehr zu sagen haben, wird kommen. Wer will ihnen verdenken, erst mal Musik zu machen und nicht viel zu analysieren. Mit ihrer einzigen populären Zeile huldigen Art Brut, vielleicht, den Arctic Monkeys: My little brother just discovered Rock n Roll ...
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