|
|
Hardcover Kult mit Locken videothek.us
 |
 |
(Universum Film)Ein unbedeutender Groschenbuchautor sucht nach authentischen Themen für einen Kriminalroman.
(Universum Film)Dominik (Wotan Wilke Möhring, rechts) zeigt Christoph (Lucas Gregorowicz), wie man richtig mit einer Waffe umgeht.
(Universum Film)Christoph (Lucas Gregorowicz, links), Sandy (Lisa Maria Potthoff) und Dominik (Wotan Wilke Möhring) sind ein eingespieltes Team.
(Universum Film)So langsam bereut Christoph (Lucas Gregorowicz), so tief ins Milieu eingetaucht zu sein.
|
 |
Kinokritik
Hardcover
Komödie
V:Universum, D 2008, R: Christian Zübert, D: Lucas Gregorowicz, Wotan Wilke Möhring, Justus von Dohnanyi u.a.
Kult mit Locken
(tsch) Christian Zübert hat viel zu tun. Er schreibt Drehbücher, die von der Kritik zwar gerne als nett und harmlos, also flach und überflüssig bewertet werden. Doch gibt es zurzeit nur wenige Autoren auf dem deutschen Film- und Fernsehmarkt, die ähnlich rege Kurzweil am laufenden Band zu Papier bringen und trotzdem den Anschein waren, etwas Originelles produziert zu haben. "Lammbock", "Geile Zeiten", die Adaption des Tommy Jaud-Romans "Vollidiot", das TV-Movie "Don Quichote - Gib niemals auf" mit einem erfrischenden Christoph Maria Herbst und nun "Hardcover", bei dem er auch gleich selbst Regie führte. Unter dem wachenden Auge von Produzent Sönke Wortmann, der mit Rat und zumindest beim Casting und im Schneideraum auch mit Tat zur Seite stand, gelang ihm eine erfrischende, wenn eben auch nette und harmlose Komödie über einen jungen Mann, die irgendwo zwischen "Napoleon Dynamite" und maskulinem "Sommer vorm Balkon" zu verorten ist.
Die originellsten Ideen für seine Geschichte sammelte Zübert in seinen jungen Disko-Jahren. Da hörte er zwischen Biergenuss und wummernden Tanzrhythmen Anekdoten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Dass sich zum Beispiel einer seiner Kumpel einen Golfball in den Allerwertesten steckte, um auf der Sonnenbank nahtlos braun zu werden. Das passt zu Chico, dachte sich Zübert, und nun tritt Justus von Dohnányi als halbseidener Unterweltboss im unaussprechlichen Bademantel vor die Kamera und darf den Geheimtipp in die Welt posaunen. Chico soll eine Schlüsselfigur in einem Krimi werden, mit dem Christoph, ein Langeweiler par excellence, ganz groß rauskommen will.
Gespielt von Lockenkopf Lukas Gregorowicz ("Lammbock", "Das Wunder von Bern") träumt der 31-Jährige vom glamourösen Leben, hütet aber tagsüber auf einem trostlosen Sandplatz in seinem Ein-Mann-Büroschuppen die BMW-Oberklassewagen einer Mietwagenfirma. Er vertreibt sich die Langeweile mit dem Verfassen von Groschenromanen, wenn er mit seinem Renault Twingo in seine triste Wohnung zurückgekehrt ist. Was ihn von all den Möchtegerns dieser Tage unterscheidet, ist sein fester Glaube daran, als Schriftsteller berühmt zu werden. Er versucht nicht zu singen, zu tanzen, sich als Modell auszuprobieren oder wie Tarzan zu schreien und eines der zuordnungsbaren Fernsehcastings aufzusuchen. Er strebt nach etwas kulturell höherem, einem echten Hardcover-Buch.
Mit seinem Plan, es einer Joan K. Rowling, nein besser: einer Mary Higgins Clark gleichzutun und einen meisterhaften Thriller-Bestseller über die typisch deutsche Halbwelt zu Papier zu bringen, der in zwei feste Buchdeckel und nicht nur als broschiertes Taschenbuch oder schlimmer: Heftchen seine Käufer findet, begibt er sich auf sein größtes Abenteuer.
Nach einigen Startschwierigkeiten freundet er sich mit dem Kleinkriminellen Dominik an, der sich aber gern als Schwergewicht der Branche verkauft. Er wittert in dem Romanprojekt für sich den Status-Gewinn, der dem Taugenichts mit Schrankwand, Spielekonsole und frustrierter Freundin im wahren Leben bisher verstellt geblieben ist. Der 39-jährige Detmolder Wotan Wilke Möhring ("Nichts als Gespenster", "Das Experiment") spielt den liebenswerten pseudo-bösen Buben, als wäre er selbst noch Anfang 30 und gefällt sich in jungenhafter Naivität und starken Sprüchen vom gefährlichen Thrill seines alltäglichen Daseins. Dabei sitzt er meistens nur faul auf dem Sofa und trinkt Bier. Derweil Christoph langsam erkennen muss, dass er womöglich einem Hochstapler aufgesessen ist, um am Ende doch die Augen geöffnet zu bekommen und in höchster Not an seiner Seite einen wahren Freund zu erkennen.
Der Wortwitz der "Hardcover"-Dialoge hält sich ebenso in Grenzen wie die Situationskomik, abgesehen von einem kaum planbaren Finale mit Christophs kleinem Twingo, das den Zuschauer zuerst in Staunen versetzt und dann in kopfschüttelndem Lächeln in den Abspann entlässt. Es ist ein Film zwischen den Genres, der mit der Gewöhnlichkeit seines "So könnte es sich wirklich zugetragen haben"-Szenarios kokettiert und ähnlichen Kult-Status erreichen könnte wie "Lammbock". Die gefällige Bodenständigkeit aller Charaktere in einer Mär über Freundschaft und biedere Träume vom Wohlstand entschädigt für das mit Effekthascherei auf der einen und beklemmender Sozialkritik gesättigte Kino dieser Tage.
content: teleschau - der mediendienst
ZURÜCK ZUR AUSWAHL
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
TV-Kurztipps
für Heute,
den 03.09.2010
|
 |
 |
 |
|
 |
|